Meeresfruchtig: Miesmuscheln sind ein festliches Winteressen

Ich habe sie schon mit Hingabe in Deutschland gegessen. Als ich noch klein war, bereitete mein Vater Miesmuscheln in einem wunderbaren Gemüsesud zu. Und da wir davon eine Menge vertilgen konnten, nahm er dazu den Gänsebräter. Gänsebräter gibt es hier auf Mallorca eher selten, da das Federvieh nicht zur Mallorca-Küche gehört, doch Miesmuscheln gibt es hier an jeder Fischtheke. Ganzjährig, aber für mich sind die „mejillones“, wie sie hier heißen, immer noch ein Winteressen. Und sie werden, nach deutscher Tradition, bei uns in allen Monaten mit „R“ zubereitet. Also auch jetzt, im sonnigen Dezember auf Mallorca,den viele Insel-Liebhaber in ihrem eigenen Ferienhaus auf Mallorca genießen.

Die Preise in Deutschland für eine Tüte Miesmuscheln liegen bei im Schnitt sechs Euro. Da wundern wir uns hier: Rund 1,60 Euro bezahlen wir für ein Kilo – gerade die richtige Menge pro Kopf. Pro Person rechnet man also, falls der Appetit nicht ausgesprochen riesig ist, ein Kilo der duftenden Meeresfrüchte. Für den Sud, in dem die Muscheln später garen, wird eine in kleine Stückchen geschnittene Zwiebel in etwas Olivenöl angeschmort, goldgelb. Danach geputztes Gemüse andünsten. Am besten eignet sich das Julienne-Gemüse, das es im Supermarkt gibt. Rund eineinhalb Liter Wasser auf das in kleine Würfel geschnittene Gemüse gießen, je nach gewünschter Schärfe mit Salz und Pfeffer und eventuell einer Knoblauchzehe und einer Peperoni-Schote würzen, den Topf schließen und den Sud rund eine halbe Stunde leicht köcheln lassen.

In der Zwischenzeit ist ein bisschen Arbeit angesagt, denn die Muscheln müssen erst in kaltem Wasser (heißes Wasser keinesfalls, sonst öffnen sie sich frühzeitig) gewaschen und gebürstet werden, danach den heraushängenden struppigen „Bart“ mit einem scharfen Messer entfernen. Nun einen Schuss Weißwein in den köchelnden Sud geben und die Muscheln vorsichtig hinein geben. Den Topf schließen und so lange in der Wärme ziehen lassen, bis sich die „mejillones“ öffnen. Hin und wieder mit einem Schaumlöffel wenden, damit auch die oberen Muscheln den Sud erreichen, um sich öffnen zu können und das Aroma anzunehmen.
Wie schon früher, kommt auch bei uns der Sud mit auf den Teller, wenn es zu Tisch geht. Er ist so lecker, dass er eher eine meeresfruchtige Suppe ist. Zu den Muscheln Brot und Aioli geben, das reicht. Wenn noch Sud übrig ist: einfrieren. Der ist nämlich eine tolle „Brühe“ für eine wirklich schmackhafte Paella.